Die Stadt Kos
Über die Hälfte aller Insulaner lebt heute in der Stadt Kos (14750 Einwohner). Seit über 2350 Jahren ist sie die Inselmetropole. Die Zeugnisse ihrer langen Geschichte werden hier nicht steril in Museen verwahrt, sondern ins heutige Leben einbezogen. Das macht die Stadt so reizvoll. Fährschiffe und Tragflügelboote legen direkt neben den Mauern einer Johanniterburg an. An der Uferpromenade östlich der Anleger zeugen verspielte Bauten von der italienischen Besatzungszeit. Im kleinen Mandraki-Hafen, in dem in der Antike die Pilger und Kurgäste an Land gingen und während der Johanniterzeit die Galeeren der Kreuzritter lagen, sind heute Fischerboote und vor allem Ausflugsschiffe vertäut.
Zwei weitläufige Ausgrabungsgelände gleichen ständig zugänglichen archäologischen Parks, die Minarette zweier Moscheen ragen neben Kirchtürmen gen Himmel. Das mittelalterliche Wohnviertel der Johanniter über der antiken Agora wurde zwar bei einem Erdbeben 1933 völlig zerstört, das ehemalige Türkenviertel aber bildet heute eine reizvolle Altstadt mit zahllosen Cafes, Tavernen und Geschäften. Gleich hinter der Stadt steigen grüne, weiter oben dicht bewaldete Hänge zum 843 m hohen Dikeos-Massiv an, das auf 17 km Länge den ganzen Osten der Insel wie ein schmales Rückgrat durchzieht. Vom Mandraki-Hafen und der Johanniterburg aus dehnt sich die Stadt entlang der flachen Küste westlich über das Stadtviertel Kritika bis zum Lambi Strand aus, im Osten schliesst sich der Vorort Psalidi mit einer Reihe grösserer Strandhotels an.
Teil des Gesamteindrucks von Kos ist aber auch die gegenüberliegende türkische Küste mit ihren kahlen Bergen und monotonen Bungalowsiedlungen. Dort drüben beginnt heute eine andere, eine islamisch geprägte Welt – in der Antike aber war diese nahe kleinasiatische Küste der wichtigste Bezugspunkt für den koischen Handel. Dort lag in der Tiefe der Bucht, in die Kos neugierig hineinragt, die bedeutende Stadt Halikarnassos, auch Knidos war nur eine Halbtagesreise mit dem Schiff entfernt. Heute beschränken sich die Beziehungen zum jetzt Bodrum genannten, auf griechisch aber immer noch mit dem alten Namen bedachten Halikarnass auf den touristischen Verkehr: Ausflugsboote und kleine Autofähren verbinden sie im Sommer täglich miteinander.